Jessie (heute Shanee)

Shanee (Jessie) wurde im Juni 2006 von Waisenhunde e.V. aus der Tötungsstation in Cadiz herausgeholt (vielen Dank, Herr Kunze).

Wir lernten sie Anfang Oktober auf ihrer Pflegestelle in Thüringen kennen. Waisenhunde e.V. hatte ihr Foto und ihre Geschichte ins Internet gestellt, auf der Seite Hovawart in Not. Bis vor 2 Jahren hatten wir mit einem alten Hovawart zusammengelebt und danach hatte mein Freund einen alten, gebrechlichen Hund aus einer Tötung in Mittelspanien zu sich genommen. Meine Idee war nun, diesem Hund – Manel – eine junge attraktive Hündin an die Seite zu stellen, um ihm wieder etwas mehr Lebenswillen geben zu können.
Das hat wunderbar geklappt: Shanee legte sich schon beim ersten Probebesuch neben ihn und verteidigte ihn gegen die anderen Hunde, mit denen sie zusammenlebte.  Als wir mit den beiden Hunden dann spazieren gehen wollten, öffneten wir kurz die Kofferraumklappe, um etwas hineinzulegen und schon saß dieser nette Hund im Auto und wartete darauf, dass wir jetzt losfahren.
Die Frage, wer da wen ausgesucht hat, haben wir nie versucht ernsthaft zu klären.


Erster „Probe“spaziergang im Thüringer Wald

Also lebt Shanee seit Mitte Oktober bei uns. Die ersten Menschen, die sie außerhalb der Familie kennen lernte, waren die Kinder vom Kinderzirkus, weil die gerade in den Herbstferien mit Laura auf Tournee gingen. Andere Hunde lernen, wenn sie in ihre Familien kommen, sinnvolle Dinge wie „Sitz“ oder „geh auf Deinen Platz“ (oder, dass man nicht ins Wohnzimmer macht!!) – Shanee lernte durch einen Reifen zu springen.
Und erst danach begann die Sauberkeitserziehung.

Den ganz großen Erziehungsstress hatte aber nicht Shanee selbst, sondern die anderen um sie herum. Sie lernte alles, was ein junger Hund so lernen muss – und ignorierte es, wenn ihr danach war. Also ganz normal. Manel lernte aber auch: dass man schwanzwedelnd zur Tür rennt, wenn jemand aus der Familie nach Hause kommt, dass man hin uns wieder das Weibchen verteidigen muss und vor allem, wie man Mülleimer plündert oder Klopapierrollen zerfetzt.


Herrchen hat versehentlich ein zu großes „Körbchen“  gekauft.

Und die Hundetrainerin lernte, dass es ernst gemeint war, dass der Hund, dessen Erziehung sie unterstützt, irgendwann einmal auf einer Laufkugel balancieren soll.
Der anstrengende Teil der Erziehung ist nun abgeschlossen und wenn Shanee Lust hat, tut sie so, als wäre sie der besterzogenste Hund im ganzen Dorf. Dazu hat sie natürlich keine Lust, wenn kleine Jungs in Sichtweite kommen – kleine Jungs haben nämlich immer einen Ball.

Und auch sonst gibt es in ihrer Welt immer wieder spannende neue Dinge zu entdecken. Der erste Schnee war einfach nur ein Schock. Die ganze bekannte Welt war verschwunden. Aber nach langem Schnuppern und Graben hat sie ihn dann akzeptiert.

Seit dem Wochenende spielen die Wasserläufer mit ihr Fangen. Gaaanz toll. Vor allem für mich, wenn sie dann pitschnass ins Arbeitszimmer gelaufen kommt, um mich an ihrer Begeisterung teilhaben zu lassen.
Auch die Frage nach der Rasse haben wir jetzt für uns geklärt. Wir glauben, dass sie eine Mischung zwischen einem Hovawart und einem Abziehbild ist. Sie sieht genauso aus wie ihre reinrassige Freundin, nur ist sie viel zierlicher und leichter als diese. Gestern ist sie z.B. (ganz neidisch) als „Pocket-Hovawart“ bezeichnet worden.

Shanee ist jetzt hier. Ganz und gar. Vielleicht hat sie auch die ganzen nicht so netten Dinge, die ihr in der frühen Kindheit passiert sind, schon ein bisschen vergessen. Einige Sachen sind aber tief drin. Sie frisst alles, in dem Nährstoffe sein könnten: Hühner- und Kaninchenfutter, rote Beete und Handcreme (leider mitsamt der Tube). Und sie holt das verpasste Welpenspiel nach – sehr zum Leidwesen von Manel, der hin und wieder ganz gern etwas Ruhe hätte und so richtig glücklich sind die Teichfrösche auch nicht, wenn Shanee hinter ihnen herhüpft.

Aber dass Shanee glücklich ist, sieht man, wenn sie abends – ganz der klassische Hovawart – sich auf „ihrem“ Sofa zur Ruhe begibt.

 

 

 

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